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Tensegrales Treiben: mit Gefühl und Richtung

  • Autorenbild: Giulia Pöhnl
    Giulia Pöhnl
  • 7. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Habt ihr euch schon einmal bewusst gemacht, wie ihr eure Schenkelhilfen gebt und aus welcher Richtung euer Druck kommt?

Hier sende ich Energie vom inneren Schenkel zur äußeren Schulter des Pferdes, um diese mehr zu mobilisieren

In meinem Unterricht sehe ich häufig klemmende Knie und/ oder beidseitig eng anliegende Schenkel. Dieser ständige Druck schränkt nicht nur die Bewegung und Atmung des Pferdes ein, sondern führt auch bei Reitern zu Verspannungen oder sogar Schmerzen in den Beinen. Das sollte nicht sein!

Ich möchte euch das Thema einmal aus tensegraler Sicht näherbringen: Die Biotensegrität beschreibt ein Körpersystem aus Spannungs- und Zugkräften, das Stabilität und Beweglichkeit zugleich ermöglicht – beim Pferd wie beim Menschen.


Druck ist nicht gleich Druck

Mit meinem Körper kann ich einen gezielten Impuls geben, der durch den Körper des Pferdes hindurchläuft und es zur Aufrichtung einlädt. Der Druck soll das Pferd größer machen. Entscheidend ist dabei, wie und wohin dieser Druck wirkt.


Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, wie ich mein Pferd mit meinem Bein sanft umarme. Ich stelle dabei erst einmal nur Kontakt her und kommuniziere mit meinem Pferd. Der atmende Schenkel ist dabei auch ein schönes inneres Bild. Möchte ich dann einen Impuls geben, entsteht dieser primär durch meinen Sitzbeinhöcker und meine Wade, gelegentlich unterstützt von Ferse oder Sporen.


Wohin fließt der Druck beim Treiben?

Wenn ich Druck in den Pferdekörper gebe, muss ich mir zuvor bewusst machen, was ich damit erreichen will.

  • Möchte ich das Pferd anheben, lasse ich den Impuls von unten nach vorne-oben fließen.

  • Möchte ich die äußere Schulter öffnen, sende ich einen diagonalen Impuls – von meiner inneren Wade zur äußeren Schulter des Pferdes. Dies geschieht im Moment des Abfußens des äußeren Vorderbeins.

  • Möchte ich mehr Zug nach vorne an meine Hand, gebe ich einen Impuls mit meinem inneren Sitzbeinhöcker nach vorne.


Der äußere Schenkel bleibt dabei ruhig und weich, erzeugt keinen Gegendruck und gibt Raum.


Mobilisation mit Takt und Gefühl

Möchte ich den Rippenboden mobilisieren, wandert meine innere Wade etwas weiter nach hinten. Dort gebe ich rhythmische Impulse im Takt der Bewegung, bis ich ein Weichwerden im Körper des Pferdes spüre.

Wichtig ist hier, ein echtes Nachgeben von einem Fluchtreflex zu unterscheiden: Ein Pferd, das vor dem Schenkel flüchtet, wird schnell, eilig und atmet flach, es blockiert die Spannung statt sie für sich zu nutzen. Ein Pferd mit einem klaren Druckverständnis hingegen wölbt sich dem Reiter entgegen und tritt kontrolliert zur Seite. Ich kann ein Schenkelweichen dann beliebig steil reiten. Ein Pferd das zur Seite flieht, ist nur schwer wieder geradeaus zu reiten. Ein Pferd mit einem korrekten Druckverständnis, behält den Zug vom Bein zur Hand und kann jederzeit in ein Vorwärts entlassen werden.


Fazit:

Biotensegrales Treiben ist eine bewusste, richtungsorientierte, rhythmische Hilfe, die zum Loslassen und Ausdehnen einlädt, nicht zum Klemmen. Mit Gefühl und klarer Intention wird dein Sitz zur Brücke zwischen Spannung und Losgelassenheit.

 
 
 

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