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Das Pferd über den Rücken reiten – was bedeutet das eigentlich?

  • Autorenbild: Giulia Pöhnl
    Giulia Pöhnl
  • 19. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Weil der Begriff „rund reiten“ häufig missverstanden wird, möchte ich heute kurz erklären, was ich darunter verstehe, wenn ein Pferd „rund“ unter dem Reiter läuft. Oft wird in diesem Zusammenhang auch vom positiven Spannungsbogen oder über den Rücken reiten gesprochen.

Ein Pferd im positiven Spannungsbogen
Ein Pferd im positiven Spannungsbogen

Wichtig ist:

Es geht nicht um eine durch die Reiterhand manuell erzeugte Rundung des Halses. Und: Ein Pferd geht nicht automatisch über den Rücken, nur weil es durchs Genick geht oder tief eingestellt ist.

Was ich unter „rund reiten“ verstehe, ist vielmehr eine Flexion des gesamten Körpers.

Das Pferd arbeitet dabei nicht mehr überwiegend mit der Extensorenkette (Streckmuskulatur), sondern es findet ein dynamisches Wechselspiel zwischen Flexoren- (Beuger) und Extensorenkette statt.

Gerade in Übergängen zeigt sich, wie gut das Pferd seinen Körper organisiert: Ein korrekt arbeitendes Pferd muss sich nicht über den Hals abstützen, um Schwung zu holen. Stattdessen stemmt es sich gezielt mit der Flexorenkette dem Reitergewicht entgegen und hebt sich in korrekter Haltung an.


Das funktioniert allerdings nur, wenn:

  • die Rumpftragemuskulatur aktiv arbeitet,

  • der Rumpf frei zwischen den Schulterblättern rotieren kann und

  • die dorsale Kette nicht verkürzt oder überspannt ist.


Aus biotensegraler Sicht ist der Pferdekörper ein fein abgestimmtes System aus Zug- und Spannkräften. Für echte Tragfähigkeit braucht es daher eine positive, funktionale Spannung.

Interessant: Manche Pferde finden überhaupt erst dann in eine korrekte Flexion, wenn sie den Hals etwas tiefer tragen dürfen. Die Halsposition spielt also durchaus eine wichtige Rolle – auch wenn sie nicht das alleinige Kriterium ist.


Und wie gelingt Flexion nicht?

Der oft zitierte Gedanke vom „Pferd als Brückenkonstruktion“ erschwert bei hypermobilen Pferden oft gerade das, was eigentlich erreicht werden soll: Eine echte Flexion. Viele dieser Pferde befinden sich bereits in einer starken Extension, also einem Durchhängen im Rücken. Wird in so einer Situation einfach die Hinterhand weiter herangetrieben, in der Hoffnung, das Pferd „zu schließen“, führt das häufig nur dazu, dass sich das Hohlkreuz verstärkt – statt das Pferd sich aufrichtet.

Ein Beispiel hierfür ist die Piaffe:

Oft sieht man Pferde, die sich zwar „bewegen“, aber durch eine fehlende Rumpfaktivität in einer Extension verharren, ohne echte Tragkraft.

Dreh- und Angelpunkt ist deshalb die Tragkraft des Rumpfes – insbesondere der Vorhand.

Nur wenn diese wirklich gegeben ist, wird eine funktionale Flexion überhaupt möglich.


Wie erkennt man eine korrekte Flexion?

Fragt euch: Könntet ihr durch den Körper des Pferdes einen Aufwärtsbogen (im Gegensatz zur U-Form eines durchhängenden Rückens) zeichnen? Dann ist das Pferd auf dem richtigen Weg.

Hier hat das Pferd im Schritt einen positiven Spannungsbogen
Hier hat das Pferd im Schritt einen positiven Spannungsbogen
Hier befindet sich das Pferd in absoluter Aufrichtung und in einem negativen Spannungsbogen
Hier befindet sich das Pferd in absoluter Aufrichtung und in einem negativen Spannungsbogen
Ein positiver Spannungsbogen im Trab
Ein positiver Spannungsbogen im Trab
Ein negativer Spannungsbogen im Galopp
Ein negativer Spannungsbogen im Galopp
Ein positiver Spannungsbogen im Galopp
Ein positiver Spannungsbogen im Galopp

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